Lyrik

Hier stelle ich eine kleine Auswahl meiner Lyrik vor. 2 Gedichte sind auch zwischen den Bildern enthalten, weil sie zu bestimmten Objekten gehören.

Bei Interesse können Sie gern ein Heft mit weiteren Gedichten bestellen (Inhalt 24 Seiten).

 
Anna Elisabeth Berger GEDICHTE

Anna Elisabeth Berger     GEDICHTE

 

 

 

Baba Jaga

 

Ich habe im Bauch 3 Messer parat,

ein weißes, ein rotes, ein schwarzes.

Die zück ich und werf ich und tanze damit

und zaubere Bahnen für Sterne.

 

Sie glitzern, die Bahnen, sie leuchten voll Kraft,

sie reichen vom Himmel zur Erde

und weiter noch bis in die Hölle hinein.

Drauf tanz ich mit Lust und Begierde.

 

Ich werfe die Messer in Dreiergestalt,

sie sind meine stärksten Waffen.

Sie machen mich jung und reich und alt

und gruslig wie Baba Jaga, die Hexe im Wald.

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Sommerzeit

Die lebendigen Worte sind weg

und die tanzenden Bilder in mir;

verschüttet im Hickhack digitaler Akten

und mechanischen Tuns.

Aber die Erde ist da.

Und die Rosen sind da

duftend, hauchend die Liebe aus anderer Welt.

Und die Beeren sind da,

rot und süß und voller Lust.

Und die Schnecken sind da,

sie kennen die richtige Zeit.

Und die Läuse sind da

in unglaublicher Zahl.

Und die Düfte sind da

von den Bäumen und Gräsern.

Und der Gesang ist da

von den Vögeln und Grillen.

Und der Morgen ist da

mit seinem Geheimnis.

Und der Abend ist da

mit seinen himmlischen Farben.

Und die Sorgen sind da,

denn es gibt Kriege.

Und das Mitleid ist da

mit den Opfern.

Und die Aufgabe ist da zu sehen.

Und der Wunsch ist da zu handeln.

Und die Erde ist da mit ihren Kräften

und auf ihr die vielen Wege.

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Blaue Luft


Blaue Luft von irgendwoher

bringt mir einen Hauch gültiger Ewigkeit,

schenkt mir ein Stück sanfter Ruhe

für meinen hastenden Leib.

 

Doch das pochende Herz

schlägt weiter in wechselndem Takt seines Seins,

sucht nach dem Rhythmus des schwerelosen Tanzes.

Dabei kennt es doch schon die Schwingungen der Ewigkeit.

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Ich weiß nicht

 

Ich weiß nicht, ob Sterne spielen,

ich weiß nicht, wo ist dein Wort,

ich glaube, du bist verschwunden,

mir ist, du bist sehr weit fort.

 

Such ich schon vom anderen Ufer

nach dem, was grade erst war?

War da nicht ein Verstehen,

war da nicht Wärme da?

 

Ists nur die Herbstluft, die kühle,

die mich grad frösteln lässt?

Brauch ich nur warme Kleider,

zu wärmen Bauch und Herz?

 

Ich weiß nicht, ob Sterne spielen,

ich weiß nicht, was richtig ist.

Geh ich jetzt meiner Wege?

Bist du schon sehr weit fort?

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Die 5. Dimension (Versuch einer Annäherung)

 

Bergkristallgleich,

spitze Prismen, aufgestellt in alle Richtungen,

raumlos in allerfeinster Weise geschachtelt,

unsichtbar, dem Auge nicht zugeneigt,

und doch spürbar, wahrnehmbar,

fordernd gar gesehn zu sein,

die milchglasfarbene Hülle um dich rum,

Transformatoren in ewigem Energiefluss,

sich kreuzende Bahnen, suchend nach ihrer Ordnung,

nach ihrer Bestimmung,

nach der Verbindung mit dem Geist.

Blitze nach außen und innen.

Energiefeld, das sich dehnt und zusammenzieht.

Weiße Weite um dich herum.

Fliegende Kristalle mit einer Dichte

so tief wie das Meer.   

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Da ist dieses ernste Erstaunen

vor der Weite des Transzendenten.

Da ist diese Ehrfurcht, dieses Verbeugen

vor der kosmischen Weisheit.

Da ist diese schüchterne Freude

über die Verbundenheit mit universalen Kräften.

Da ist dieses Annehmen des eigenen Platzes,

diese schwierige Erkenntnis.

Da ist dieses Suchen nach dem Verwobensein

von Transzendenz und irdenem Tag.

Da ist dieses Lösen vom Wollen und Tun.

Da ist dieses Atmen mit offenem Herz.

Da ist diese Seele, die Wunder noch kennt.

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 Angst und Glaube

 

ich schmeiße weg alle Ängste, die ich noch habe.

ich brauche nichts mehr, um frei zu sein.

und alle Ängste, die mich noch befallen,

sie sollen doch kommen, ich hab keine Angst.

 

nichts ist noch geheuer, die Welt ist im Schwanken,

mein Stübchen daheim – noch ist es ein Nest.

und darf ichs behalten, so will ich Gott danken.

und bricht es mir ein, dann soll es so sein.

 

ich glaube an nichts mehr, ich glaube an Wunder.

und nur die Wunder sind wirklich wahr.

nur habe ich Angst, dies zu vergessen,

sie will ich behalten, sie ist wunderbar.

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Stockend, fragend, stolpernd, suchend:

Wo ist mein Ich?

Kenne mich nicht?

Ich kenne mich doch!

Diese Luxusfrage satter Menschen.

 

Sehe mich noch als Kind,

zusammen mit anderen Kindern.

Wir drehten uns im Kreis.

Drehten uns im Kreis,

und die Welt war schön.

 

Diese Leichtigkeit.

Die ungeheuerliche Leichtigkeit des Seins.

Schwingendes Miteinander,

ohne Wollen,

getragen von innerer Lust.

Ich bin.